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Veröffentlichung
dieser Dokumentation mit freundlicher Genehmigung durch den Verfasser Herrn Jens
Freese – Buchautor, Frankfurt a. M. Erschienene Bücher u.a.:
- 100 Jahre Höllentalbahn, Stuttgart 1987 - - Die Eisenbahn durchs Höllental, Berlin 1994 -
Der Betrieb auf der Strecke Neustadt –
Mit
Aufnahme des regelmäßigen Betriebs am 26. September 1907 verkehrten auf der
Strecke Kappel-Gutachbrücke - Bonndorf nach dem Winterfahrplan 1907/08
täglich 5 Zugpaare, sie führten die 2. und 3. Wagenklasse. Die mit dem
letzten Zug abends nach Bonndorf gekommene Lokomotive verblieb über Nacht im
Lokschuppen in Bonndorf und zog auch den ersten Zug morgens nach Neutstadt.
Die auf der Strecke im Regeldienst eingesetzten Lokomotiven der Gattung VIb
(spätere Baureihe 75.1-3) gehörten zum Bw Villingen und waren in Neustadt (ab
1933 Lokstation) stationiert. Dort erfolgte auch die Bekohlung und Wartung
der Lokomotiven. Die auf der Strecke verkehrenden Reisezugwagen gehörten zum
Heimatbahnhof Villingen, in Neustadt wurden sie nach jeder Fahrt gereinigt
und die Gaskessel der Wagen aus der in Neustadt vorhandenen Gasfüllanlage mit
Leuchtgas aufgefüllt. Es wurde angeordnet, daß zum 24. September 1907 für die
neue Bahnstrecke 2 Lokführer oder Reserveführer und zwei Lokheizer nach
Bonndorf zu zuteilen sind. Mangels geeigneter Wohnungen sollen die beiden Heizer
ledig sein. Über
die Bauarten der Reisezugwagen, die anfangs auf der Strecke eingesetzt waren,
ist leider nichts bekannt, kurz vor der Eröffnung der Bonndorfer Strecke
wurden jedoch 2 Bi (Gruppe 63) und 4 Ci (Gruppe 97) nach Villingen
umbeheimatet, diese Wagen könnten damals zur Bildung einer Zuggarnitur für
die neu eröffnete Strecke durchaus verwendet worden sein. Von den 1910
beschafften 60 Ci bad 10 der Gruppe 94", von denen damals 19 Stück in
Villingen stationiert wurden, kamen mit Sicherheit auch schon einige auf der
Bonndorfer Strecke zum Einsatz. Auch von den später in Villingen
stationierten Ci bad 11 der Gruppe 94a sind bestimmt einige regelmäßig nach
Bonndorf gekommen. Nachweislich ist der Ci bad 11 mit der Betriebsnummer
„Baden 13 599" ab 1912 auf der Strecke nach Bonndorf gelaufen, er kam
jedoch noch vor 1921 nach Radolfzell. Weiterhin waren Personenwagen
2./3.Klasse der Bauart BCi bad 11 (Gruppe 92a) im Einsatz, von denen 2 im
Jahre 1912 nach Villingen kamen. In diesem Jahr kam auch ein einzelner Pw bad
11 der Gruppe 122" nach Villingen, auch er könnte vielleicht zwischen
Neustadt und Bonndorf verkehrt sein. Wenn nicht, dann lief ein alter
Gepäckwagen der Gruppe 123 (vielleicht mit Postabteil) in den Personenzügen
auf der Bonndorfer Strecke, denn solche waren auch in Villingen stationiert.
Die genannten Wagen stellten den Wagenpark bis mindestens in die 30er Jahre,
wie aus dem Bellingrodt Foto hervorgeht, liefen aber auch 1937 zweiachsige
Einheitswagen der Bauart Ci 33. Nach dem Krieg wurden die Züge aus
Reisezugwagen preußischer Bauart z.B. C3i pr 07 oder pr 08 gebildet. Schon
der Sommerfahrplan 1908 brachte einschneidende Verbesserungen, zusätzlich zu
den 5 Zugpaaren, die täglich verkehrten, kamen noch sonntags 2 Zugpaare
Freiburg - Bonndorf hinzu, von denen das eine während des ganzen Sommers, das
andere nur im Juli und August eingesetzt war. Diese Züge hielten auch auf
fast sämtlichen Stationen der Höllentalbahn und benötigten für die Strecke
Freiburg - Bonndorf fast 3 Stunden. Im Sommer 1914 gab es noch einen
durchgehenden Zug Freiburg - Bonndorf, der sonntags verkehrte. Durch den
ersten Weltkrieg kam diese günstige Zugverbindung, die vor allem von
Ausflüglern aus Freiburg genutzt wurde, dann in Wegfall, sie wurde auch
später nicht wieder eingeführt. Die Zahl der werktäglichen Zugpaare zwischen
Neustadt und Bonndorf hatte sich im Sommer 1918 auf vier verringert, sonntags
fiel davon auch noch ein Zugpaar weg. Mit der Einführung der vierten Klasse
in Baden zum 1. April 1918 führten die Züge auf der Bonndorfer Strecke
anfänglich noch die 2. und 4. Klasse, aber schon bald nur noch die vierte
Klasse und zwar ausschließlich bis zu deren Abschaffung. Während des Ersten
Weltkriegs wurde zur Einsparung von Personal, Schmierstoffen und Kohle
zumeist während des Winters ein Personenzugpaar als GmP (Güterzug mit
Personenbeförderung geführt. Im
Sommer 1922 verkehrten an Sonn- und Feiertagen zwischen Neustadt und Bonndorf
zwei Zugpaare, werktags verkehrten zusätzlich vier Zugpaare. Im Sommer 1924
waren es dann täglich 4 Zugpaare, werktags kam noch ein Zugpaar und an Sonn-
und Feiertagen kamen noch 2 Zugpaare hinzu. Das Zugangebot änderte sich auch
im Sommer 1925 nur wenig, täglich verkehrten 3 Zugpaare, werktags zusätzlich
2 Zugpaare und an Sonn- und Feiertagen zusätzlich 3 Zugpaare. Als am 7.
Oktober 1928 die 4.Wagenklasse wieder abgeschafft wurde, führten die Züge auf
der Bonndorfer Strecke wieder die 2. Und 3. Wagenklasse. Im Sommer 1934 waren
es täglich 5 Zugpaare, hinzu kamen werktags noch 2 und an Sonn- und
Feiertagen noch l Zugpaar. Im Sommer 1939 verkehrten 4 Zugpaare täglich,
hinzu kamen an Werktagen noch 3 und an Sonn-und Feiertagen noch 2 Zugpaare.
Nach Kriegsausbruch blieben davon nur noch täglich 5 Zugpaare ab l. 12. 1939
übrig. Schon ab Ende Januar 1940 waren es wieder 4 Zugpaare täglich, 2
Zugpaare werktags und ein Zugpaar an Sonn- und Feiertagen, dabei verkehrt ein
werktägliches Zugpaar nur zwischen Kappel-Gutachbrücke und Bonndorf, so daß
die Fahrgäste von und nach Neustadt dort umsteigen mußten. Im Sommer 1944
fiel das Zupaar an Sonn- und Feiertagen weg, stattdessen waren es dann
zusätzlich 3 werktägliche Zugpaare. Ende April 1945 kam der ganze
Eisenbahnverkehr im Bereich der Höllentalbahn zum Erliegen. Infolge
der Zerstörungen von Brücken war von Neustadt aus ab 2. Juli 1945 nur ein
Inselbetrieb in Richtung Hausen vor Wald, Hinterzarten, Seebrugg und Bonndorf
möglich. Da in Neustadt nur noch zwei Lokomotiven (Gattung VIb) zur Verfügung
standen, konnte anfänglich auf der Strecke nach Bonndorf nur l Zugpaar
werktags angeboten werden, welches nur noch die 3. Wagenklasse führte. An
Sonn- und Feiertagen ruhte der Verkehr völlig. Dabei blieb es auch 1946 mit 2
Zugpaaren. Da Neustadt von Villingen abgeschnitten war, gingen dort auch bald
die Kohlenvorräte zu Ende, so daß man sich mit der Befeuerung der Lokomotiven
mit Holz behelfen mußte. Die Lokomotiven waren zwar dafür nicht eingerichtet,
da aber die Züge nicht sehr lang waren, war die geringere Leistung der
Lokomotiven völlig ausreichend. Im Jahre 1947 waren es schon wieder 3
werktägliche Zugpaare, die dann ab 1948 täglich verkehrten. Im Winter 1951/52
wurden täglich 4 Zugpaare angeboten, ein weiteres verkehrte werktags außer
Samstag nur zwischen Neustadt und Lenzkirch, dabei wurde Kappel-Grünwald ohne
Halt passiert. Im Sommer 1953 ging das Zugangebot zurück, es verkehrten nur
noch 2 Zugpaare täglich auf der gesamten Strecke, hinzu kamen noch 2
werktägliche Zugpaare Neustadt -Lenzkirch ohne Halt in Kappel-Grünwald. Im
Winter 1956/57, vielleicht auch schon früher gab es nur noch werktags 2
Zugpaare und an Sonn- und Feiertagen l Zugpaar, bei sämtlichen wurden nur
noch Schienenbusse des Bw Vilingen eingesetzt. Hinzu kamen 4 Buspaare
täglich, 2 Buspaare werktags, ein Buspaar an Sonn- und Feiertagen auf der
gesamten Strecke und täglich ein Buspaar Neustadt - Lenzkirch. Die
Omnibusverbindung hatte den Vorteil, daß die oftmals weit von der Bahnstrecke
abgelegenen Orte direkt angefahren wurden. Das eine werktägliche Zugpaar fiel
schon im Sommer 1956 weg. Im Winter 1957/58 waren es wieder 2 Zugpaare
werktags, l Zugpaar an Sonnabenden und l Zugpaar an Werktagen außer samstags,
letzteres verkehrte jedoch nur zwischen Neustadt und Lenzkirch. Im Sommer
1958 war das Zugpaar zwischen Neustadt und Lenzkirch wieder entfallen. Im
Sommer 1961 verkehrte täglich ein Zugpaar Neustadt - Lenzkirch, das werktags
bis Bonndorf verlängert wurde, hinzu kam noch ein werktägliches Zugpaar und
ein solches an Sonn- und Feiertagen auf der gesamten Strecke. Bei diesem
Zugangebot blieb es zum Winterfahrplan 1965/66, denn im Sommer 1966 gab es
nur noch 2 werktägliche Zugpaare, gleichzeitig wurde bekanntgegeben, daß die
Strecke vollständig auf Omnibusverkehr umgestellt werden soll. So endete mit
dem Winterfahrplan 1966/67 der Personenverkehr auf der Strecke Neustadt
-Bonndorf nach 59 Jahren. Bis
in den Zweiten Weltkrieg hinein führten die meisten Personenzüge auf der
Bonndorfer Strecke einen Postwagen oder einen Packwagen mit Postabteil mit
und werktäglich verkehrte auch mindestens ein Güterzug. Daneben gab es noch
reine Holztransportzüge, die wohl hauptsächlich ab Saatfeld fuhren und nach
dem Krieg von Loks der Baureihe 50 befördert wurden. Diese Loks zogen auch
die Reisebüro- und Kindersonderzüge auf der Bonndorfer Strecke. Im Jahre 1948
sollen in Neustadt für nur kurze Zeit auch zwei Loks der Baureihe 64
vorhanden gewesen sein, es ist nicht bekannt, ob diese auch auf der
Bonndorfer Strecke eingesetzt waren. Nach der Umbeiheimatung der letzten VIb
aus Neustadt im Jahre 1956 kamen Villinger Loks der Baureihen 93 (pr.T14) und
später 75.4-5 (VIc) nach Neustadt, von wo sie auch auf der Bonndorfer Strecke
eingesetzt wurden. Ergänzung des Berichts durch Jens Freese. Die Lokomotive, die den letzten Zug abends nach
Bonndorf gebracht hatte, blieb über Nacht im dortigen Lokschuppen, der
ausreichend Platz für zwei Lok der bad. Gattung Vib (Baureihe 75.1-3) bot.
Eine zweite Lok war für das abwickeln des Güterverkehrs angeschaft worden. Normalerweise übernachtete das Lokpersonal
in Bonndorf. Nach dem Krieg soll der letzte Zug zur Einsparung von Übernachtungskosten nur bis
Lenzkirch gefahren sein, als der Bus schon einen Teil der Beförderung
übernommen hatte (Läßt
sich durch das Kursbuch aber nicht nachweisen). Die gesamte 20 km lange Strecke war mit einem
Streckenfernsprecher nur sehr einfach signaltechnisch ausgestattet. Die
Einfahrt der Bahnhöfe Kappel-Gutachbrücke, Lenzkirch und Bonndorf war
durch Einfahrsignale gesichert. Ausfahrsignale gab es nicht, der Abfahrauftrag wurde durch den Fahrdienstleiter gegeben. Nach
Beendigung des Krieges fuhr der erste Zug nach Bonndorf bereits am 12. Juli 1945! Kurz nach dem Krieg trieben die
siegreichen Franzosen einen großen Raubbau im Schwarzwald, so wurden in den
ersten Jahren und zwar bis 1950 zwei tägliche (zusätzliche?) voll
ausgelastete Güterzüge von Saatfeld mit dem geraubten Holz abgefahren. Zuglok sollen Güterzuglok der
Baureihe 50 gewesen
sein. Da nicht genügend Loks vorhanden waren, mußte deshalb damals der Personenverkehr auf zwei
Zugpaare täglich eingeschränkt werden (siehe Kursbuch 1946). Die Lokstation Neustadt war schon bald nach
der Betriebseröffnung auf der Strecke nach Bonndorf am 26, September 1907
eingerichtet worden, vielleicht bestand sie auch schon seit der Eröffnung der Strecke Neustadt - Donaueschingen. Sie
gehörte bis Ende 1956 zum Bw Freiburg,
dann kam sie zum Bw Villingen und wurde Ende 1958 aufgelöst. Am 1. August 1966 wurde der
Personenverkehr auf der Strecke eingestellt, der Güterverkehr und die
Beförderung von Kinder- und Turnusreisezügen (Baureihe 50) wurde jedoch
weiter aufrechterhalten. Zum 31.
Dezember 1976 wurde dann der Gesamtverkehr eingestellt.
Zum Foto
( Zug mit zwei Personenwagen ) möchte ich noch einige Bemerkungen machen.
Zuglok ist eine Tenderlok der
bad. Gattung Vib spätere Baureihe 75.1-3, die aber noch keinen Kohlenkastenaufsatz besitzt, da
dieser erst gegen Ende der 20er Jahre eingebaut wurde, kann die Aufnahme nur
früher entstanden sein. Bei den
beiden Personenwagen handelt es sich um solche der bad. Gruppe 94 oder 94a spätere Reichbahnbezeichnung Cid bad 10
oder 11. Die auf der Bonndorfer Strecke eingesetzten Reisezugwagen hatten als
Heimatbahnhof immer Villingen. Die ersten
Cid bad 10 kamen bereits im Jahre 1910 nach Villingen (insgesamt 19 Stück), so daß anzunehmen ist, daß
diese Gattung auch auf der Bonndorfer Strecke zum Einsatz kam. Die
Gattung Cid bad 11 wurde erstmalig im Jahre 1912 in Villingen beheimatet und
zwar der Wagen mit der Betriebsnummer 13599, der nachweislich sofort auf der
Bonndorfer Strecke eingesetzt wurde! Es ist also anzunehmen, daß die Aufnahme
also bereits im Jahre 1910 oder kurz danach entstanden ist. Mit diesen
badischen Wagen wurde dann der Betrieb auf der Bonndorfer Strecke
durchgeführt. Ab Mitte der 30er Jahre fuhren dann zweiachsige Einheits-Durchgangswagen
mit geschlossenen Plattformen BCi-33 und Ci-34 auf dieser Strecke, die dann
nach 1945 durch preuß. Bauarten abgelöst wurden. Von 1956 bis 1966 waren dann Schienenbusse (VT 98) im Einsatz. Im
Herbst 1944 hat es auch einen einen Luftangriff mit Bordwaffenbeschuß auf der
Strecke zwischen Kappel-Gutachbrücke und
Kappel-Grünwald gegeben, bei dem lediglich nur Sachschaden entstand. Bei Kriegsende hatte sich im Lokbahnhof Neustadt(Schw) nur die betriebsfähige 50 3137 vom Bw Freiburg befunden. Der zum Bw Freiburg gehörende Lokbahnhof Neustadt(Schw) besaß 1950 vier Lok und zwar drei VIb (75 108 (+ Freiburg 1954), 75 192 (+ Haltingen 1959), 75 195 (+ Karlsruhe 1954)) und eine Lok der Baureihe 50 (50 2852, + Hof 1971). Anfang 1957 kam der Lokbahnhof Neustadt(Schw) zum Bw Villingen. Die Lok der Baureihe 50 befuhren mit den Güterzügen die Strecken Villingen - Neustadt, Neustadt -Seeebrug und eventuell abwechselnd mit der VIc auch die Strecke nach Bonndorf mit dem werktäglichen Güterzug und zwar bis die letzten Lok in Villingen bis 1965 abgegeben wurden. Bis zu diesem Zeitpunkt waren auch die letzten Lok der Baureihe 75.4-5 aus Villingen verschwunden, denn im Oktober/November 1962 waren die ersten Diesellok der Baureihe V 100 eingetroffen, welche schon bald einen Teil der Dampflokleistungen übernahmen. |